Hassi
… bekommen wir Deutschen denn jetzt endlich den guten Ouzo, nachdem wir faktisch zu einem Träger des griechischen Staates heranwachsen? Das hätten wir uns redlich verdient, nachdem wir scheinbar in einem Vollrausch von schlechtem Ouzo beschlossen haben, immense Summen nach Griechenland zu pumpen.
Aber mal ab vom Ouzo, hier wird mit einer Kurzsichtigkeit gehandelt, die lediglich das Produkt eines Prestigedenkens ist, anstatt mal lieber einen Tag nur entfernt Tacheles zu reden. Als wir, Deutschland und die anderen Staaten, uns darauf einliessen, in den nächsten 2 Jahren insgesamt 120 Milliarden locker zu machen, muss uns wohl der Teufel höchstpersönlich geritten haben. Ich möchte nicht sagen, dass eine Hilfe für Griechenland völlig falsch ist, aber ich klage an, dass sie falsch aufgezogen wird.
Blicken wir doch auf die Gründung der EURO-Währungsunion zurück. Schon damals war Griechenland der Staat, der eigentlich gar nicht hätte aufgenommen werden dürfen, aber dass Bilanzkosmetik nicht nur im kleinen Stil beim örtlichen Gas-Wasser-Scheisse Unternehmen funktioniert, hat man damals eindrucksvoll bewiesen, indem man den zugegeben maroden Drachmenstaat in den EURO integrierte. Ein Glansztück an Augenwischerei und ein Produkt von Scheuklappen auf den Augen der damaligen Unterzeichner, die nicht ahnen wollten, was das für die Zukunft an Problemen bringen würde.
Und jetzt haben wir den Salat, mit richtig viel Feta. Aus den Lautsprechern scheppert die Musik und wir tanzen Hand in Hand den Sirtaki, um diesen Abschluss zu krönen. Noch ein Ouzo, Herr Papandreou? Danach hätte ich 1-2 Fragen, das Recht habe ich mir doch sicher durch die eine oder andere Milliarde erworben, richtig?
Nach dieser kleinen Spitze, ein Beispiel wie es sich mit Griechenland und den Milliarden verhält. Nehmen wir doch mal an, wir haben einen fast volljährigen Sohn, der unbedingt seinen Führerschein machen möchte. Der Junge hat sogar schon ein Auto, leider funktionieren an dem aber weder die Bremsen noch die Beleuchtung. Wir, die verantwortungsvollen Eltern, die mit dem dicken Portemonnaie, möchten natürlich nicht, dass unser armer Junge auf den Führerschein verzichten muss und zahlen den Lappen für den Jungen. Zu dumm, dass er sich bei seiner ersten Tour nach bestandener Prüfung mit der Karre um den nächsten Baum auf der Landstrasse wickelt. Und spätestens dann ist das Geschrei wirklich gross, ja vielleicht realisieren wir dann sogar, dass man vielleicht das Geld nur dann hätte hergeben sollen, wenn der Junge vorher seinen Wagen verkehrstauglich gemacht hätte und das vorzugsweise noch von einem Experten bescheinigt.
Und jetzt kommt Griechenland an die Reihe, wir finanzieren eine Regierung, die ihren Staat dringend renovieren muss, u.a. ihr Rentensystem und andere bodenlose Fässer, damit unsere Gelder nicht einfach versickern. Aber halt, der Herr Papandreou hat ja grossartige Reformen und Kürzungen an allen Ecken versprochen. Durchgesetzt und beschlossen ist davon aber weder die Hälfte bis gar nichts. Und warum? Weil die griechische Bevölkerung auf die Strasse geht und diese Einschnitte nicht hinnehmen will, weil sie weiter in einem Staat, der verglichen mit dem europäischen Durchschnitt, ein beinahe “dolce far niente” verspricht, der von Korruption durchzogen ist und vieles mehr, leben möchten. Wir Deutschen kennen das doch - wenn es an das eigene Portemonnaie geht, dann maulen wir auf hohem Niveau, die Griechen gehen auf die Strasse. Und trotzdem, trotz aller Ungewissheit, trotz völlig unklarer Vorzeichen und maximal verbalen Verpflichtungen, füllen wir diesen Staat ab wie bei “Das grosse Fressen.”
Vielleicht merken wir ja, wie kurzsichtig unsere Entscheidung war, wenn der PKW des griechischen Staates vor den Baum des Staatsbankrotts fährt und dabei Totalschaden erleidet. Dann werden wir aber ganz massiv dumm aus der schwarz-rot-goldenen Wäsche gucken, aber mal ganz ehrlich, wer sollte das schon ahnen?
Oh und eine Anmerkung sei mir noch gestattet - wer nun denkt, dass die Griechen auf den Strassen gegen ihren Staat schimpfen, der hat nur zum Teil recht. Denn ein grosser Teil Griechen hegt den eigentlich Groll auf die Länder, die Griechenland derzeit finanziell den Allerwertesten retten, weil diese Länder ja auch dann mehr oder weniger daran schuld sind, was die griechische Regierung an Einsparungen planen wird. Und, denken wir nochmal an unseren Jungen; der hat uns im Krankenhaus nach dem Unfall auch noch beschimpft, dass wir nicht noch sein Auto haben reparieren lassen.
Seien wir gespannt, was in 2 Jahren passiert, wenn wir uns an dieser Stelle nochmals lesen werden. Bis dahin haben wir übrigens noch Kontinentalansprüche an der Strasse von Gibraltar, an Mallorca und an sämtlichen Irish Pubs in Irland erworben. Der kleine Finger der Peleponnes gehört uns ja bereits jetzt. Wer zufällig an das Prinzip mit dem kleinen Finger und der ganzen Hand denkt, ist natürlich auf der völlig falschen Fährte.
AS / Hassi
Zur Diskussion freigegeben. Originalbeitrag bereits gebloggt unter http://www.inbegriff.de/?p=448
Aber mal ab vom Ouzo, hier wird mit einer Kurzsichtigkeit gehandelt, die lediglich das Produkt eines Prestigedenkens ist, anstatt mal lieber einen Tag nur entfernt Tacheles zu reden. Als wir, Deutschland und die anderen Staaten, uns darauf einliessen, in den nächsten 2 Jahren insgesamt 120 Milliarden locker zu machen, muss uns wohl der Teufel höchstpersönlich geritten haben. Ich möchte nicht sagen, dass eine Hilfe für Griechenland völlig falsch ist, aber ich klage an, dass sie falsch aufgezogen wird.
Blicken wir doch auf die Gründung der EURO-Währungsunion zurück. Schon damals war Griechenland der Staat, der eigentlich gar nicht hätte aufgenommen werden dürfen, aber dass Bilanzkosmetik nicht nur im kleinen Stil beim örtlichen Gas-Wasser-Scheisse Unternehmen funktioniert, hat man damals eindrucksvoll bewiesen, indem man den zugegeben maroden Drachmenstaat in den EURO integrierte. Ein Glansztück an Augenwischerei und ein Produkt von Scheuklappen auf den Augen der damaligen Unterzeichner, die nicht ahnen wollten, was das für die Zukunft an Problemen bringen würde.
Und jetzt haben wir den Salat, mit richtig viel Feta. Aus den Lautsprechern scheppert die Musik und wir tanzen Hand in Hand den Sirtaki, um diesen Abschluss zu krönen. Noch ein Ouzo, Herr Papandreou? Danach hätte ich 1-2 Fragen, das Recht habe ich mir doch sicher durch die eine oder andere Milliarde erworben, richtig?
Nach dieser kleinen Spitze, ein Beispiel wie es sich mit Griechenland und den Milliarden verhält. Nehmen wir doch mal an, wir haben einen fast volljährigen Sohn, der unbedingt seinen Führerschein machen möchte. Der Junge hat sogar schon ein Auto, leider funktionieren an dem aber weder die Bremsen noch die Beleuchtung. Wir, die verantwortungsvollen Eltern, die mit dem dicken Portemonnaie, möchten natürlich nicht, dass unser armer Junge auf den Führerschein verzichten muss und zahlen den Lappen für den Jungen. Zu dumm, dass er sich bei seiner ersten Tour nach bestandener Prüfung mit der Karre um den nächsten Baum auf der Landstrasse wickelt. Und spätestens dann ist das Geschrei wirklich gross, ja vielleicht realisieren wir dann sogar, dass man vielleicht das Geld nur dann hätte hergeben sollen, wenn der Junge vorher seinen Wagen verkehrstauglich gemacht hätte und das vorzugsweise noch von einem Experten bescheinigt.
Und jetzt kommt Griechenland an die Reihe, wir finanzieren eine Regierung, die ihren Staat dringend renovieren muss, u.a. ihr Rentensystem und andere bodenlose Fässer, damit unsere Gelder nicht einfach versickern. Aber halt, der Herr Papandreou hat ja grossartige Reformen und Kürzungen an allen Ecken versprochen. Durchgesetzt und beschlossen ist davon aber weder die Hälfte bis gar nichts. Und warum? Weil die griechische Bevölkerung auf die Strasse geht und diese Einschnitte nicht hinnehmen will, weil sie weiter in einem Staat, der verglichen mit dem europäischen Durchschnitt, ein beinahe “dolce far niente” verspricht, der von Korruption durchzogen ist und vieles mehr, leben möchten. Wir Deutschen kennen das doch - wenn es an das eigene Portemonnaie geht, dann maulen wir auf hohem Niveau, die Griechen gehen auf die Strasse. Und trotzdem, trotz aller Ungewissheit, trotz völlig unklarer Vorzeichen und maximal verbalen Verpflichtungen, füllen wir diesen Staat ab wie bei “Das grosse Fressen.”
Vielleicht merken wir ja, wie kurzsichtig unsere Entscheidung war, wenn der PKW des griechischen Staates vor den Baum des Staatsbankrotts fährt und dabei Totalschaden erleidet. Dann werden wir aber ganz massiv dumm aus der schwarz-rot-goldenen Wäsche gucken, aber mal ganz ehrlich, wer sollte das schon ahnen?
Oh und eine Anmerkung sei mir noch gestattet - wer nun denkt, dass die Griechen auf den Strassen gegen ihren Staat schimpfen, der hat nur zum Teil recht. Denn ein grosser Teil Griechen hegt den eigentlich Groll auf die Länder, die Griechenland derzeit finanziell den Allerwertesten retten, weil diese Länder ja auch dann mehr oder weniger daran schuld sind, was die griechische Regierung an Einsparungen planen wird. Und, denken wir nochmal an unseren Jungen; der hat uns im Krankenhaus nach dem Unfall auch noch beschimpft, dass wir nicht noch sein Auto haben reparieren lassen.
Seien wir gespannt, was in 2 Jahren passiert, wenn wir uns an dieser Stelle nochmals lesen werden. Bis dahin haben wir übrigens noch Kontinentalansprüche an der Strasse von Gibraltar, an Mallorca und an sämtlichen Irish Pubs in Irland erworben. Der kleine Finger der Peleponnes gehört uns ja bereits jetzt. Wer zufällig an das Prinzip mit dem kleinen Finger und der ganzen Hand denkt, ist natürlich auf der völlig falschen Fährte.
AS / Hassi
Zur Diskussion freigegeben. Originalbeitrag bereits gebloggt unter http://www.inbegriff.de/?p=448